Es begann in den 80er Jahren
Mit dem Ziel, Bürgerinnen und Bürger über die zunehmenden Umweltprobleme aufzuklären und alternative Wege zu suchen, hat sich 1979 eine Gruppe mit dem Namen „Freies Forum Ökologie“ zusammengefunden. Der Initiator und maßgebliche Ideengeber Bernd Bachner aus Niederbayern absolvierte zu der Zeit eine Landwirtschaftslehre in Traunstein. Er hatte engen Kontakt zu Anneliese und Karl Jahnke, die in Reichhausen einen landwirtschaftlichen Demeter Biohof betrieben. Anfangs war es eine kleine Gruppe von Idealisten deren Interesse an ökologischen Themen die Basis bildete. Nach seiner Ausbildung wohnte Bernd Bacher bei einem Freund, Willi Stettner, der sich der Gruppe anschloss und viele organisatorische Aufgaben übernahm. Die Gruppe traf sich anfangs regelmäßig im Hofbräuhaus, um sich auszutauschen und Projekte voran zu bringen. Es gab auch kontroverse Diskussionen über eine stärkere politische Ausrichtung, jedoch setzte sich schließlich der Ansatz durch, möglichst praktische Lösungsvorschläge zum Umweltschutz, zur Landwirtschaft usw. in Vorträgen und Kursen zu vermitteln. Schwerpunkte dabei waren:
1) Ökologisches und energiebewusstes Bauen und Sanieren, alternative Energien
2) Ökologische Landwirtschaft
3) Ökologie des Alltags: Gesunde biologische Ernährung, Umweltschutz im Haushalt, Alternativmedizin, Mülltrennung und Vermeidung, schonender Umgang mit Trinkwasser, Regenwassernutzung und Abwasseraufbereitung, klassischer Umweltschutz für Pflanzen und Tiere, …
4) Politische Ökologie: Alternativen zu den Atomkraftwerken, Umweltverschmutzung, Waldsterben, Überflussgesellschaft, Rohstoff- und Energiepolitik, Eine Welt, …
Durch die regelmäßigen Treffen explodierte förmlich die Ideenwelt. Die Gruppe war parteiunabhängig und wurde von ehrenamtlich Tätigen aus vielen Berufsgruppen unterstützt, darunter Ökobauern, Handwerkern, Ingenieuren, Architekten und medizinischem Fachpersonal.
Die Themen Ernährung, Haushalt und Abfallbeseitigung wurden vorangetrieben von Willi Stettner und Maria Eschenbeck, das Thema Kernenergie und Alternativen wurde geleitet von Bernd Bachner, der aber bald eine Familie gründete und Traunstein verließ. Um ökologische Landwirtschaft kümmerte sich maßgeblich Karl Jahnke, Hans Urbauer und Jochen Ackermann. Ökologischer Hausbau und Nutzung der Sonnenenergie lag in den Händen von Sylvester Dufter, Uwe Meyer und Claus Möller. Hans Thullner, Zimmerermeister, war Fachmann für Baubiologie, energiebewusste Sanierungen und Solarkollektorbau.
Es gab auch Vorträge zum Thema Entwicklungshilfe/ Dritte Welt/ Eine Welt, geleitet von Brigitte Holzner von der Gesellschaft für bedrohte Völker.
Ein großes Thema in den 80er Jahren war das Waldsterben, das Herbert Jungwirth als Schwerpunktthema betreute und einen umfangreichen Katalog zum Thema erstellte.

Bereits 1979 bekam das „Freies Forum Ökologie“ durch Herrn Ströber vom Katholischen Bildungswerk eine Plattform, um Vorträge im großen Stil zu organisieren.
Weiterhin entstanden sehr gute und enge Zusammenarbeit mit der Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (ANL) Laufen. Bald schlossen sich auch die VHS Traunstein, das Evangelische Bildungswerk und der BUND Traunstein an. Bei den Vorträgen, die Hunderte Interessierter anlockten, wurden die Umweltthemen hitzig unter Fachleuten diskutiert. Es gab viele Vorschläge und Visionen zu praktischen Lösungen aber es fehlte das Geld für die Umsetzung.
Um schließlich in die Umsetzung kommen zu können, wurde 1985 der Verein „Forum Ökologie Traunstein e.V.“ mit zunächst nur 25 Mitgliedern gegründet. Im Vereinsregister wurde der Verein mit dem Vorsitzenden Willi Stettner registriert. Vier Jahre später übernahm Herbert Jungwirth den Vorsitz und wurde im Januar 1992 von Maria Eschenbeck abgelöst, die das Amt bis 2004 innehatte. Auf Grund ihrer Verdienste für das Forum Ökologie, wurde Maria Eschenbeck 2009 bei der 30 Jahrfeier zur Ehrenvorsitzenden ernannt.

Nach einem wohlwollenden Gespräch im Landratsamt mit Landrat Schmucker, mit dabei waren Claus Möller, Uwe Meyer und Willi Stettner wird der Verein seit 1990 durch das Landratsamt finanziell unterstützt, um in deren Auftrag Bürger frei und unabhängig in Sachen Umwelt zu beraten. Anfangs wurde dafür eine Vollzeitstelle geschaffen und die alte KFZ-Stelle samt Nebenkosten vom Landratsamt zur Verfügung gestellt. Traunsteiner Geschäfte, wie das „Speedy’s Kopie und Druck“ trugen dazu bei, dass das Forum Ökologie regelmäßig informative Heftchen und später ganze Büchlein in großer Auflage günstig drucken und vertreiben konnte.

Seit 1985 wurde der Themenbereich des Forum Ökologie durch neue Mitglieder wie Stefan Sachs und Rainer Schenk um die Gebiete Elektromobilität und PV-Anlagen erweitert. Das Motto war, pragmatisch an Themen heranzugehen und praktische Lösungen zu finden und umzusetzen. So hat Hans Urbauer erste Brauchwasser Kollektoren errichtet und es wurden Selbstbaukurse für diese Kollektoren angeboten. Da Claus Moeller eine Schreinerwerkstatt eröffnet hatte, war auch der Selbstbau für Wintergärten im Programm des Forum Ökologie. Baustoffrecycling wurde praktiziert und dafür beispielsweise gebrauchte Ziegelsteine gereinigt. Ebenso wurden Kurse für Lehmbau angeboten. In den Gärten der Mitglieder wurden Kräuterspiralen errichtet.
Der erste Computer, der dazu diente Vorträge vorzubereiten, wurde zusammen mit dem Fahradclub Traunstein genutzt. Eine Umweltbücherei wurde eingerichtet und jährlich neu bestückt. Maria Eschenbeck und Brigitte Huber hielten Vorträge in Schulen und bei Frauenvereinen über ökologisches Waschen und Putzen anlässlich der beobachteten problematischen Schaumbildung auf Seen sowie über das milchsauer Einlegen von Gemüse.
Nach dem Atomunglück in Tschernobyl 1986, bekam das Thema erneuerbare Energien besonderen Aufwind. Peter Rubeck brachte dazu viele gute Ideen ein. Bereits im gleichen Jahr wurde die Idee eine Ausstellung zum Thema Kernenergie, das sehr divers diskutiert wurde, ins Leben gerufen. Im darauf folgenden Jahr wurde die Ausstellung „Pro und Kontra Kernenergie“ mit dem Übertitel „Lebensqualität“ als gemeinsames Werk mehrerer Träger, unter anderen das Forum Ökologie, der Bund Naturschutz, das Evangelische und das Katholische Kreisbildungswerk der Öffentlichkeit präsentiert. Das Forum Ökologie hat dazu den Teil „Alternative Energien“ beigetragen. Diese deutschlandweit erste derartige Ausstellung reiste durch Süddeutschland und war auch in Salzburg, Innsbruck und Bozen zu sehen.
1989 erschien dazu im 3. Büchlein des Forum Ökologie „Katalog zur Ausstellung Lebensqualität“, Teil 3: „Alternativen zur Kernenergie“.
Von 1987 bis 1994 haben Bernhard Meyer, Silvester Dufter, Willi Geistanger und weitere Mitglieder des Forum Ökologie jährlich zwei Sonnenkollektor-Baukurse für Brauchwasserbereitung und Zusatzheizung veranstaltet mit insgesamt über 500 Teilnehmern. Hunderte Sonnenkollektoranlagen wurden so in Folge mit Beteiligung von lokalen Handwerksbetrieben aus dem Heizungsbau errichtet. Alois Zimmermann hat in Sondermoning ein völlig energieautarkes Haus errichtet.
Ebenso in Sondermoning wurde vom Biohof Dandl-Sengl ein Bio-Gemüsekiste-Lieferdienst initiiert und das Forum Ökologie hat Rezepte für die zum Teil noch unbekannten Gemüsesorten geschrieben, die den Kisten beigelegt wurden.
Das Sammeln und Entsorgen von alten Batterien in den Schulen im Landkreis wurde initiiert und zusammen mit Fa. Schaumeier die Abholung und fachgerechte Entsorgung organisiert. Ebenso wurden, angestoßen vom Forum Ökologie, Altpapiercontainer in den Wertstoffhöfen aufgestellt und das Sammeln von Aluminium durch Sammelstellen bei Bioläden im Landkreis mehrere Jahre in Zusammenarbeit mit der Fa. Schaumeier organisiert.
1991 war das Forum Ökologie maßgeblich an der Organisation des Volksbegehrens „Das bessere Müllkonzept“ im Landkreis Traunstein beteiligt. Strukturen der Abfallwirtschaft, die vom Forum Ökologie angelegt worden waren, wurden vom Landratsamt schließlich übernommen und amtlich gemacht.
Die Energieagentur Südostbayern, die von den Landkreisen TS und BGL gegründet wurde, übernahm das Konzept der Energieberatungen wie vom Forum Ökologie etabliert. Seitdem herrscht eine enge Kooperation zwischen dem Forum Ökologie und der Energieagentur / Energieberatung Chiemgau GmbH.
Stefan Sachs hat die erste Homepage für das Forum Ökologie erstellt und damit konnte die umfangreiche Umweltbücherei digitalisiert werden.
Hans Truk hat seit der Vereinsgründung die Finanzen des Forum Ökologie verwaltet und überwacht.
Seit 1992 vermittelt die Baustoffbörse des Forum Ökologie kostenlos gebrauchte Materialien aus Abbrüchen und von Renovierungen um die Kreislaufwirtschaft zu unterstützen.
Im Jahr 2000 erhält das Forum Ökologie die Bayrische Umweltmedaille für besondere Verdienste um Umweltschutz und Landesentwicklung.

Die Aktion „Sonnenstrom vom Watzmann bis zum Wendelstein“ wurde ins Leben gerufen und mit tatkräftiger Unterstützung vieler Mitglieder des Forum Ökologie ein Solarfest beim Landratsamt gefeiert.
Im Jahr 2003 verlieh Eurosolar dem Forum Ökologie den deutschen Solarpreis für dieses Energieinitiative. Im ersten Halbjahr 2004 wurden im Projektgebiet mehr als 220 neue Solarstromanlagen mit einer Leistung von 5.840 Kilowatt in Betrieb genommen. In vielen Gemeinden wurde die Gesamtleistung von Januar bis Juni mehr als verdoppelt. Seit Start der Energieinitiative hat sich der Umsatz im heimischen Fachhandwerk auf über 60 Millionen Euro gesteigert.
Im Jahr 2004 wurde vom Forum Ökologie, gesponsert von Fachfirmen, Traunsteins erste Fassaden-PV-Anlage in Betrieb genommen:
Leistung: 990 Watt
6 Module á 165 Watt mit einem Ertrag von ca. 850 kWh/Jahr
Energierücklaufzeit: 3 Jahre
Diese blieb bis 2025 in Betrieb.
Im Jahr 2007 verlieh die ÖkoPlus AG dem Forum Ökologie den Umweltpreis für herausragende Leistungen im regionalen Umweltschutz.
Seitdem hat das Forum Ökologie keine Preise mehr gewonnen aber arbeitet weiter zusammen mit engagierten Mitgliedern durch Aufklärung bei Umweltfragen sowie fachliche und praktische Unterstützung an einer lebenswerten Zukunft für die Bürgerinnen und Bürger.
